Die Ärzte – Jazz ist anders
Dezember 30, 2007
Die Doppel-CD Geräusch war für Die Ärzte ein künstlerischer Befreiungsschlag voller Experimente und musikalischer Grenzgänge. Auf “Jazz ist anders” präsentiert man sich wieder etwas kompakter, hat aber erneut einige originelle Ohrwürmer in der Hinterhand.
Nach der aufwändigen Geräusch-Produktion rudern Bela, Farin und Rod zurück und machen wieder alles selbst. Zum ersten Mal seit ihrem Debütalbum Debil fungieren sie wieder als Produzenten (was ihnen vorzüglich gelingt), auf Gastmusiker wird verzichtet, und sogar die Fotos im Booklet hat man selbst geschossen. Musikalisch blickt das Trio allerdings nicht zurück, sondern wie immer nur nach vorn.
Die 16 neuen Songs (plus drei auf der Bonus-EP) haben Tiefgang, sind facettenreich, stilistisch enorm breit gefächert und niemals Kopien alter Ärzte-Hits. Die beste Band der Welt (aus Berlin) pendelt zwischen rabiatem Punk (“Junge”, “Breit”, “Heulerei”), komplexem Avantgarde-Rock (”Tu das nicht”), Funk (”Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend)”), fast schon schmerzhaft öligen Balladen (”Niedliches Liebeslied”, “Nur einen Kuss”) und gut gelauntem Sonnenschein-Rock (”Lasse redn”, “Perfekt”).
Auch textlich tanzt man gewohnt souverän und clever auf diversen Hochzeiten – mit Jazz ist anders stellen Die Ärzte einmal mehr eindrucksvoll ihren Sonderstatus in der deutschen Musikszene unter Beweis.
Britney Spears – Britney
Dezember 29, 2007
Wenn eine Interpretin schon mit 19 Jahren ihr drittes Studioalbum abliefert, dann erwartet man, daß sie nicht nur vom Aussehen her erwachsen geworden ist.
Britney Spears zeigt auf ihrer neuen CD allerdings, daß sie tatsächlich „not a girl, not yet a woman“ ist. Die meisten Songs klingen wie vom zweiten Album kopiert: Langweiliger Pop mit durchgängigem Beat und wenig Überraschungen.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Die schöne Ballade „I’m not a Girl, not yet a Woman“, die als nächste Single veröffentlicht wird, zeigt, daß Britney einiges an Sangeskraft und Gefühlsvermittlung gelernt hat. Die erste Auskopplung „I’m a Slave 4 U“ und der Song „Boys“ klingen zwar nicht besonders gut, aber sind immerhin nicht so gleichsam langweilig wie der Rest der Scheibe.
Den absoluten negativen Höhepunkt setzt allerdings die Coverversion von „I love Rock ‘n’ Roll„. Wer von „I can’t get no Satisfaction“ auf „Oops…I did it again“ entsetzt war, dem wird bei diesem Song die Luft wegbleiben: Es geht einfach nicht schlechter. Britneys Stimme funktioniert für Popmusik, aber nicht in der verruchten Art und Weise, die sie hier rüberzubringen versucht. Und auch die Produktion ist einfach schlecht geworden. Autsch!
Linkin Park – Meteora
Dezember 26, 2007
Normalerweise platzieren Produzenten aus psychologischen Grunden die besten Songs an den Anfang einer CD. Bei Linkin Park ist es genau umgekehrt – und wird zum Erfolgsrezept.
Fast zweieinhalb Jahre mussten Fans der Kalifornier auf ein neues Album warten – die Remix-CD „Re-Animation“ einmal ausgenommen. Die lange Zeit hat sich allerdings gelohnt, denn Linkin Park bleiben ihrer Linie treu.
Das mag fur Kritiker und Freunde musikalischer Weiterentwicklung schmerzlich sein. Kommerziell gesehen ist es aber der richtige Schritt. Die Nummer 1 Positionen des neuen Albums in mehreren Dutzend Landern sprechen Bande. Davon abgesehen mu? man objektiv feststellen, dass „Hybrid Theory“ ein einzigartiges Album war, das verdientermaßen uber acht Millionen mal verkauft wurde.
Wer sich die ersten Tracks von „Meteora“ anhort, wird allerdings tatsachlich enttauscht. „Don’t say“ und „Hit the Floor“ sind einfallslose Fuller, die auch von jeder anderen Band sein konnten. An „Somewhere I belong“ und „Nobody’s listening“ hort man sich ebenfalls sehr schnell satt.
Glucklicherweise ragen andere Songs aber deutlich aus der Masse der uber 80 fur „Meteora“ geschriebenen Songs heraus. Die Balladen-ahnlichen Titel „Easier to run“ und „Breaking the Habit“ zeigen unerwartete gesangliche Qualitaten von Chester Bennington und bieten einen starken Kontrast zu „Hybrid Theory„. Die harteren Titel „Faint“, „Figure 09″ und „From the Inside“ sind im bekannten Linkin Park Stil gehalten und mischen Metal und Rap in der ublichen Weise – und das klingt gut.
Das absolute Highlight haben sich Linkin Park aber fur das Ende der CD aufgehoben. „Numb“ erinnert stark an „Pushing me away“ von „Hybrid Theory„, uberragt diesen Titel aber deutlich. Die dramatischen Lyrics und die unglaublich eingangige Hookline gehen sofort ins Ohr und machen „Numb“ einen sicheren kommenden Singlehit.
„Meteora“ bietet nicht herausragend viel Neues. Wer aber vom „Hybrid Theory“ begeistert war (und wer war das nicht), der sollte uber den schwachen Anfang und die kurze Spielzeit von nur 33 Minuten hinwegsehen und zugreifen.
Morcheeba – Charango
Dezember 25, 2007
Während andere Bands nach drei Alben nachlassen und keine innovativen Ideen mehr haben, haben sich Morcheeba auf ihrem vierten Machwerk „Charango“ entgültig selbst gefunden.
Nach Ausflügen in die Welt des TripHop, melancholischen Klängen und einem Pop- und R&B-Mix haben die beiden Brüder Paul und Ross Goodfrey mit Sängerin Skye Edwards diesmal eine vielfältige CD aufgenommen, die sich in keine musikalische Stilschublade schieben lässt.
Aber eines sind alle Songs auf diesem Album: Unterhaltsam. Das kommt teilweise durch die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Pace Won oder Kurt Wagner, aber auch durch wunderschöne Melodien zum Mitträumen wie bei der ersten Single „Otherwise“ oder die Harfenklänge in „Public Displays of Affection“.
Insgesamt ist die CD sehr ausgewogen und harmonisch geworden, so daß man sofort merkt, daß es sich hier um Morcheebas reifestes Album handelt. Auf dieser Platte bekommt man tatsächlich das Gefühl, daß die Beats, Melodien und Texte gut zusammenpassen – und das wird immer schwerer zu finden.